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Thema: Naturwissenschaft vs. Religion

  1. #1

    Standard Naturwissenschaft vs. Religion

    "Naturwissenschaft vs. Religion – der Unterschied und die selbstverschuldete Verdrängung


    Die Naturwissenschaften gehören zu den forschenden Disziplinen mit den tiefsten und kritischsten Einblicken in die Natur und deren Vorgänge. Das heisst jedoch nicht, dass sie in der Lage sind, alles und jedes zu erklären. Aber sie sind durchaus fähig, sich ein ziemlich neutrales und von menschlichen Bedürfnissen, Wünschen und unsicheren Wahrnehmungen befreites Bild von den tatsächlichen Umständen in der Natur innerhalb ihrer Möglichkeiten zu machen. Dass es sich hierbei immer nur um eine reine Annäherung an die Realität handeln kann sollte selbstverständlich sein.
    Es gibt in den Naturwissenschaften viele Theorien, von denen die anerkannten im Laufe der Jahrhunderte auf Dauer Bestand haben und sich lediglich von Zeit zu Zeit verändern. Als Beispiel gelten die Gravitationsgesetze von Isaak Newton, dessen Beschreibungen auch durch die Quantenphysik ihre Gültigkeit nicht verloren haben, jedoch erweitert werden mussten. Dass Theorien gänzlich kippen kommt auch vor, eine davon ist die Äthertheorie, die im Prinzip deshalb ihre Gültigkeit verloren hat, weil sie mehreren anderen Vorgängen widerspricht. Gleichwohl sind manche sich dessen bis heute nicht ganz sicher, denn es gibt immer wieder neue Argumente, die für diese Theorie sprechen.
    Die Naturwissenschaften gehören also zu den Disziplinen, deren Ergebnisse stets offen bleiben und die – auch wenn sie sich bei bestimmten Paradigmenwechseln manchmal etwas schwer tun – sich letztendlich immer an den überzeugendsten und am besten überprüfbaren Theorien orientiert. Übernatürliche Erklärungen sind in jeder Hinsicht absolut unangebracht. Eine in ihren Grundzügen logische aber bis dato nicht falsifizierbare Theorie bleibt in ihrer Erklärung offen und wird auch dann nicht mit übernatürlichen Instanzen in Verbindung gebracht, wenn neue Erkenntnisse über einen langen Zeitraum auf sich warten lassen. Solche Zeiträume gibt es immer wieder, doch im Normalfall kommt niemand aus der Wissenschaft ernsthaft auf die Idee, als Erklärung für ein ungeklärtes Phänomen eine göttliche Existenz anzubieten. Auch Einstein tat dies trotz launiger Bemerkungen über Gott nicht (“der Alte würfelt nicht“), mit denen er heute noch in manchen religiösen Kreisen für Verwirrung und falsche Annahmen sorgt. Doch Einstein war, wie wir heute wissen, Atheist und betrachtete Religionen als kindischen Aberglauben.


    Religionen jedoch sind an historisch verfasste, vorgegebene Quellen mit zumeist festen Denkmodellen gebunden. Wer diese Quellen verfasst hat und warum diese Quellen verfasst wurden ist real und historisch unerheblich. Es zählt alleine die Anerkennung der Quellen durch Institutionen oder Personen, die sich der Quellen bedienen. Es bestätigt also lediglich der Quellenverbreiter die Echtheit seines Quelleninhaltes, deren Urheber bei fast allen Religionen aus angeblich übernatürlichen Instanzen zusammen gesetzt sind. Viele dieser alten Schriften unterliegen zusätzlich einer strengen zielgerichteten Auswahl. In den christlichen Religionen sind z.B. Schriften vorhanden, die nicht von der offiziellen Kirche anerkannt sind (sogenannte Apokryphen, bspw. das Petrus-Evangelium) und deshalb nicht in den Kanon aufgenommen wurden.
    Die Auslegung dieser Schriften übernehmen die religiösen Institutionen selbst und legen fest, welche der Aussagen welchen Wahrheitsgehalt besitzen sollen, den die Mitglieder der Religionsgemeinschaften also solche anerkennen müssen. Die Theologie bewegt sich ausschliesslich innerhalb dem von der entsprechenden religiösen Institution vorgegebenen Bereich und muss in seiner Forschung immer zu einem Ergebnis kommen, welches zu den Lehren der Kirchen passt. Deshalb ist die Theologie, also die Lehre von “Gott” auch keine ergebnisoffene Wissenschaft und hat demzufolge auf Universitäten eigentlich gar nichts zu suchen.


    Die Naturwissenschaften haben durch die Erforschung diverser Phänomene in den letzten Jahrhunderten mit allerlei abergläubischen Dingen aufgeräumt. Das geschah nicht nur in Bezug auf Lehren und Vorgaben von Religionen, in der bis dato bestimmte Vorgänge oder Begebenheiten als von Gott persönlich gegeben gelehrt bzw. postuliert wurden, sondern auch in vielen Bereichen nichtreligiöser Scharlatanerie. Doch in den meisten Fällen trotzen Religiöse den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen bis heute. Als Beispiele für offene Wissensleugnungen dieser Art können solche Punkte wie das Turiner Grabtuch, Marienerscheinungen und Gottesvisionen angegeben werden, bei denen durch ausreichende wissenschaftliche Untersuchungen und Erklärungen der Wahrheitsgehalt der religiösen Anekdoten gegen Null geht. Es ist nun nichts Neues, dass das Turiner Grabtuch keineswegs ein Abbild von Jesus zeigt, und dennoch wird an der These festgehalten und gelogen, was das Zeug hält. In manchen Berichten ist gar davon zu lesen, dass angeblich sogar die NASA die Echtheit bezeugt hätte. Auch ist seit einigen Jahren bekannt, dass in Lourdes nach einer ausführlichen Schweizer Recherche die Erscheinungen bewusst herbeigeschwindelt wurden, und letztendlich wurden die bis dato unerklärlichen Dinge wie Nahtoderfahrungen, Transzendenz und göttliche Visionen von der noch jungen Neurowissenschaft als natürliche Vorgänge bzw. gar als psychische Erkrankungen enttarnt. Dagegen wehren sich natürlich nicht nur Religiöse. Es ist und bleibt nun einmal vielen Menschen ein Dorn im Auge, wenn ihnen die Unsterblichkeit genommen wird, denn letztendlich sind solche Erkenntnisse mehr oder minder schwere Erschütterungen im Verständnis von Leben und Tod, vor allem von dem Leben nach dem Tod. Ein neues Weltbild mit der garantierten Auslöschung des eigenen Bewusstseins, der Identität und letztendlich des eigenen gesamten Ichs sowie einem unumkehrbaren Tod ohne Hoffnung auf ein Weiterleben ist eben nicht jedermanns Sache. Gleichzeitig wird die Mystik, in der die spirituellen Verbindungen zu Gott postuliert wurden, durch die Neurowissenschaft mit der entsprechenden Ausschüttung von Endorphinen begründet und damit zu einem Bereich des persönlichen Selbstbetrugs. Und als letztes der genannten Beispiele ist die erschreckende Erkenntnis, dass es sich bei göttlichen Visionen aller Art nachweislich um ein reines Symptom psychischer oder körperlicher Erkrankungen handelt und damit um eine 2000jährige Visionsgeschichte kranker Menschen ohne göttlichen Bezug. Einbildung, Selbstbetrug oder Krankheit als Leitfaden theologischer Grundlagen.



    Solche aufklärerischen Veränderungstendenzen von übernatürlichen Phänomenen zu völlig profanen nachvollziehbaren Vorgängen schmerzt vor allem solche Religiöse am heftigsten, die Gott mit der realen Welt verbunden sehen wollen. Neben den typischen Totalverweigerern gegenüber der Wissenschaft versuchen manche Erschrockene die Transzendenz und Gottesexistenz mit neu geschaffenen Verbal-Spagaten wie Neurotheologie und Neuromythologie (deren Kritik durchaus hier und da an der jungen Neurowissenschaft berechtigt sein mag) zu retten, um die Deutungshoheit über die Spiritualität zurück zu holen. Keine Wortkreation und keine Kritik scheint zu hanebüchen, um die von den Neurowissenschaften in einem Handstreich angeblich geraubten transzendenten Zustände wieder in die eigenen persönlichen Deutungshände zu bekommen. Das geht sogar soweit, allen neurologischen Erkenntnissen ihre Wissenschaftlichkeit abzusprechen, und manche Religiöse und NeurokritikerInnen scheinen genauso starrsinnig wie Kreationisten zu sein, denen bekanntlich eine Erklärungslücke in der Evolution reicht, um der ganzen Theorie ihre Wissenschaftlichkeit abzuerkennen. Dazu kommen dann noch die esoterischen “Erfahrungsschreihälse”, die sowieso jegliche wissenschaftliche Erkenntnis unter die der eigenen Erfahrung stellen. Solche Menschen haben verständlicherweise in der Wissenschaft nichts zu suchen.

    Dass christliche Religionen und ihre Anhänger häufig Schwierigkeiten mit der Realität haben liegt daran, dass Realität und wissenschaftliche Erkenntnisse immer wieder mit der vermeintlichen Deutungshoheit der Kirche kollidieren. Schönes Beispiel ist deren derzeitiger Kampf gegen eine Normalisierung der Homosexualität, die ja angeblich gegen “natürliche Gesetze” verstoßen soll. Diese Forderungen werden gebetsmühlenartig wiederholt, obwohl die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Natürlichkeit von Homosexualität bei den meisten Lebewesen schon längst nachgewiesen ist, seien es die Bonobos, die als vollständig bisexuell gelten oder viele andere Tierarten mit homosexuellen Neigungen (ca. 1500 Tierarten, von denen bisher rd. 500 als gut belegt gelten). Insofern verliert die von der Kirche zu einem Zeugungsakt hochstilisierte Sexualität völlig ihre Besonderheit, weil die Wissenschaft eindeutig nachweisen kann, dass auch Tiere, die ihren reinen (angeblich gottgegebenen) Trieben folgen, den auferlegten Gottesnormen widersprechen. Das muss zu entsprechenden Bauchschmerzen bei den Religiösen führen, denn auch hier ist die Wissenschaft in einen Deutungsbereich der Kirche eingedrungen und hat denselben heillos zerstört. Das führt zwangsläufig dazu, dass immer, wenn die Naturwissenschaft in einen bis dato ungeklärten Bereich vordringt, in dem Religiöse eine göttliche Wertigkeit oder Instanz vermuteten und dieser Bereich sich als natürlich-banaler Vorgang entpuppt, Religiöse ihren Gott aus diesen Bereich herausnehmen müssen. Das passiert ständig, und erstaunlicherweise haben religiöse Institutionen die Fähigkeit entwickelt, trotz dieser zahllosen Rückschritte ihre Grundlagen einigermaßen zu erhalten, auch wenn dadurch der Boden der Tradition immer dünner wird.


    Doch die Kirche bezahlt für diese erzwungenen Rückschritte einen hohen Preis, nämlich den zunehmenden Verlust ihrer Glaubwürdigkeit und ihrer Einheit. Die vielen Abspaltungen von der Kirche finden ihre Ursachen in der zunehmenden Tendenz, wissenschaftliche Erkenntnisse zu leugnen und konservative Glaubensvorstellungen trotz der Widersprüche zu erhalten. Das ist gefährlich, denn die zunehmende Erkenntniskomplexität der Wissenschaften ist gleichbedeutend mit einem konservativen Werteverlust, und dieser Werteverlust erdrückt konservative religiöse Kräfte so stark auf Dauer, dass deren Konservatismus sich irgendwann in einer aggressiven Gegenwehr entlädt. Eine solche Gegenwehr ist immer noch recht deutlich bei den Kreationisten zu beobachten. Sie sind das typische Beispiel dafür, wie sich erzkonservative Kräfte völlig von der Wissenschaft abkoppeln und eine eigene Pseudowissenschaft erzeugen, in der alle Widersprüche völlig ignoriert werden.
    So ist im Prinzip die Naturwissenschaft die Ursache dafür, dass einer angeblichen übernatürlichen Instanz zunehmend das Land wegbricht. Der Platz für das Wirken eines Gottes wird demselben immer enger und enger. Schon heute ist er aus unserem Sonnensystem oder gar aus dem Universum verdrängt und muss nun außerhalb des Universums dahin vegetieren, damit er noch eine Existenzberechtigung hat.

    Die Kirche ist zunehmend auf den Platz zurück gedrängt worden, der ihr letztendlich zusteht, nämlich auf den Platz der Sinnsuche. Statt sich mit Macht und moralischen Ansprüchen, theologischen Spitzfindigkeiten, göttlich gesteuerten Zentralgestirnen und dem Morden Glaubensabtrünniger zu beschäftigen hätte es völlig gereicht, sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens zu begeben und die Welt sich selbst zu überlassen. Wahrscheinlich wären wir heute nicht nur naturwissenschaftlich viel weiter, wahrscheinlich wäre das finstere Mittelalter eher eine blühende Kultur des Wissens geworden, wenn die christliche Kirche sich zurückgehalten und lediglich sinnstiftend vermittelt hätte. So aber hat die Kirche im Prinzip ihre eigene Gottesschöpfung – sollte er existieren – extremst blockiert und behindert und seine Kinder getötet.

    Doch bis heute hat die Kirche nichts daraus gelernt und wird immer weiter zurück gedrängt werden. Sie wird auch den Kampf um ihre Moral verlieren, denn auch die Erkenntnis, dass Homosexualität normal ist, haben wir den Naturwissenschaften zu verdanken. Diese Naturwissenschaften, die aus dem Bauch der “Mutter” Kirche heraus gekrochen sind und jahrhundertelang unter ihrem Mantel versucht haben, Gott in der Natur zu finden, sind in der Zeit der Aufklärung erwachsen geworden und töten seitdem nachhaltig ihren Erzeuger."

    http://nesselsetzer.wordpress.com/20...e-verdrangung/

    (weiterführende Links im Originaltext)

  2. #2

    Standard

    "Naturwissenschaft vs. Religion II – die Unvereinbarkeit und der Lückengott


    Naturwissenschaft und Religion werden manchmal gerne auf eine Art und Weise in Zusammenhang gebracht, die bei kritischen ZeitgenossInnen leichtes Schaudern erzeugt. Esoterische oder religiöse Menschen bspw. werten die Wissenschaft gerne mit den Worten ab, dass diese ja “auch nur ein Glaube” sei. Dagegen erzeugen Äußerungen mancher Naturwissenschaftler unmittelbar ein leichtes Gruseln, wenn diese aufgrund neuer naturwissenschaftlicher und überwältigender Erkenntnisse plötzlich meinen, sie müssten in den Tiefen ihrer Meßdaten Gott als Erzeuger erkennen. Das äußert sich manchmal in verklärten Sätzen wie der von George Smoot, Teamchef der US-amerikanischen Astrophysiker 1992 zu Forschungsergebnissen in der Hintergrundstrahlung: “Dies waren die ursprünglichen Samen, aus denen sich alle heutigen Strukturen entwickelt haben. Wenn man religiös ist, bedeutet das, Gott zu erblicken.“

    Schlimmer noch sind jene WissenschaftlerInnen, welchen in ihrem Lebensabend der erschütternde Gedanke ereilt, nach einem halben Jahrhundert Forschung immer noch keine befriedigenden Erkenntnisse bezüglich des eigenen Seins und des Sinns des Lebens gewonnen zu haben. So ist es dann durchaus möglich, dass sie ihr eigenes Unbehagen bei der Vorstellung von einem endgültigen Tod ohne Hoffnung auf eine postmortale Existenz mit dem Gedanken bekämpfen, sie seien sich sicher, dass der letztendliche Grund aller naturwissenschaftlichen Dinge in einer höheren Instanz zu finden sei. Solche Aussagen führen jedoch dann in die Irre, wenn die religiösen Einsichten als ernstzunehmendes Resultat einer fortschreitenden Altersweisheit angesehen werden, sozusagen als das angeblich zwangsläufige spirituelle Endergebnis wissenschaftlicher Forschungseinsichten. Doch eine solche vermeintliche Erkenntnis ist schlichtweg ein Argument mit falschen Grundannahmen oder gar aus Unwissenheit, ein sogenannter “Gott in der Lücke”-Fehlschluss, der letztendlich jedoch auf der unterschwelligen Angst vor dem basiert, was da (nicht) kommen könnte.
    Gläubige und Esoteriker sehen in solchen Anekdoten dagegen gerne im günstigsten Fall einen Hinweis, im schlimmsten Fall einen Beweis für die Existenz Gottes. Das läßt sich bspw. an den ständig wiederkehrenden Diskussionen um die Religiosität Albert Einsteins ablesen (“schon Einstein hat gesagt…!”), dem immer wieder gerne fälschlicherweise sogar tiefe Religiosität unterstellt wurde (in Wirklichkeit bezeichnete er sich selbst etwas kryptisch als “tiefreligiös ungläubig” und war am Ende seines Lebens alles andere als religiös). Insofern werden solche Aussagen häufig von religiösen Menschen als argumentum ad verecundiam (Autoritätsargument) benutzt, das ebenso in die Reihe der Fehlschlüsse gehört und keinerlei Bedeutung für die Schlüssigkeit von Beweisen hat.


    Zudem gibt es dann noch hier und da spekulierende NaturwissenschaftlerInnen, die aus der vermeintlich extremen Genauigkeit der Naturkonstanten den Schluss ziehen wollen, dass nur deren Feinabstimmung Leben ermöglicht. Das liegt zum Teil daran, dass einige WissenschaftlerInnen der Ansicht sind, eine geringe Abweichung auch nur einer dieser Werte hätte eine so große Instabilität des Universums zur Folge, dass dieses nicht lange genug oder nicht entsprechend lebensfreundlich existieren würde, um Leben hervor zu bringen. Die angeblich damit verbundene Einzigartigkeit des Universums in Bezug auf die Existenzmöglichkeit von Leben wird deshalb gerne als Beweis für einen Erschaffer heran genommen.
    Abgesehen davon, dass die Theorie der Feinabstimmung der Naturkonstanten zu den umstrittenen unvollständigen Theorien gehört und keinerlei Aussagekraft über eine reale andersartige Stabilität von Universen hat, dienen die von manchen WissenschaftlerInnen in Ergriffenheit vorgetragenen religiösen Äußerungen lediglich der Selbsterhöhung der Menschheit und somit der eigenen Selbsterhöhung. Dieser nicht tot zu kriegende Gedanke von einem menschlichen Geschöpf als Krone der Schöpfung sowie dem Ziel eines Gottes, uns irgendwann in ein angebliches Paradies zu geleiten, ist jedoch nichts weiter als anmaßende religiöse Arroganz und Beschränktheit. Auch hier findet sich die Ursache für solche Gedanken in dem zutiefst menschlichen Wunsch, der Homo sapiens sei mehr als eine biologisch-evolutionäre und zufällige Folgekonstruktion ohne tatsächliche Seele. Er sei eher in tiefer Sehnsucht nach der universellen Ewigkeit ein Wesen, welches irgendwann in Gerechtigkeit und Frieden in ein Ganzes aufgeht, nämlich in das Ganze des (geplanten und konstruierten) Universums unter der Herrschaft eines Überwesens.



    Nur so ist zu erklären, warum dieser völlig irreale und in keine wissenschaftliche Theorie passende Gedanke von der Allmächtigkeit eines Konstrukteurs, welcher Grundlage christlicher Religionen ist und seine primitivste Auslegung im Kreationismus findet, immer wieder bei manchen alternden WissenschaftlerInnen auftaucht und in religiös-nebulösen Anekdoten veröffentlicht wird. Die angebliche Einsicht, da müsste mehr sein als nur das biologische Leben, läßt einen Schöpfer zu einem idealen Lückenfüller für alle persönlichen Unsicherheiten werden. In Folge finden dann Religiöse und Esoteriker vermeintliche Berührungspunkte zwischen Naturwissenschaft und Religion, die tatsächlich keine sind, denn es konkurrieren hier zwei völlig unvereinbare Denkmodelle miteinander. Sie können niemals in Einklang gebracht werden, denn Religionen haben ausschliesslich statische und menschengemachte “Wahrheiten”, die sich zudem auch noch untereinander widersprechen. Insofern sind und waren alle auch seriösen Versuche, beides miteinander zu vereinen, nichts weiter als ewig sinnlose und somit völlig überflüssige Konfrontationsmodelle. Die Religion als Welterklärungsmodell ist inzwischen völlig überholt und gehört schlichtweg zu den vertrockneten Mumien, die niemand mehr heraus holen sollte, schon gar nicht von WissenschaftlerInnen in Ergriffenheit vor ihrem eigenen Forschungsgebiet."


    http://nesselsetzer.wordpress.com/20...er-luckengott/

    (weiterführende Links im Originaltext)

  3. #3

    Standard

    Hallo Alexis,

    Zu diesem Thema hatte sich Florian Freistetter auch schon mal sehr dezidiert geäußert:

    http://scienceblogs.de/astrodicticum...einfach-nicht/

    Darin heißt es:

    "Wissenschaft und Religion passen einfach nicht zusammen. Das sage ich jetzt nicht aus Überheblichkeit oder gar Arroganz. Das liegt schlicht und einfach in der Natur der Sache. Wissenschaft und Religion betrachten die Welt auf fundamental unterschiedliche Art und Weise. In der Religion geht es darum zu glauben. Man beruft sich auf innere Überzeugungen, persönliche Visionen, alte Überlieferungen und für nichts davon muss es irgendwelche Belege geben. Oft wird sogar gerade die Tatsache, dass man ohne irgendwelche Belege glaubt als besonders lobenswerte Eigenschaft deklariert. Wissenschaft dagegen ist eine Methode, die extra entwickelt wurde um objektive Erkenntnisse über unsere Welt zu bekommen, die man nicht glauben muss. In der Wissenschaft geht es darum, Dinge zu belegen, zu überprüfen und all das rigoros zu verwerfen, dass dieser Überprüfung nicht Stand hält. Es gibt wenig, was schlechter zusammen passen würde, als Religion und Wissenschaft. Kein Wunder, wenn es da zu Konflikten kommt."

    Viele Grüße!

  4. #4

    Standard

    Mittlerweile bin ich selber auch zu der Einstellung gekommen das sich Wissenschaft schlecht mit religiösem Glauben vereinbaren lässt. Ist es für einen Wissenschaftler nicht ein ständiger Eiertanz zwischen dem, was er erkennt auf Grund seiner Forschung und dem was er sich vielleicht, auf Grund seines Gottesglauben erhofft.

    Wenn ich an was auch immer, ohne jede Grundlage glaube, bin ich dann überhaupt in der Lage wissenschaftlich zu denken und zu arbeiten?
    Ich möchte auch nicht falsch verstanden werden. Selbstverständlich glaubt jeder irgendwie an irgendwas. Anders würde es nicht funktionieren. Ich glaube zum Beispiel, das es ein Morgen geben wird, weil das bisher immer so war und sich mit meiner persönlichen Erfahrung und Wissen über die " Realität " deckt.

    Nur, woher nehme ich diese zweifelhafte Gewissheit? Mein Vertrauen darauf, das es ein Morgen geben wird, setzt sich demnach nur aus meinen persönlichen Erfahrungswerten zusammen und meinem Glauben daran, das es morgen wieder so sein wird. Also ist der Glaube an sich nicht unbedingt unwissenschaftlich.

    Wenn ein religiöses Dogma ins Spiel kommt schon. Wenn ich also sage: " Es wird ein Morgen geben, weil Gott A es so gewollt hat. Im Grunde brauche ich ab diesem Punkt keine Wissenschaft mehr, da alles gesagt wurde. Gott A hat gewollt das es ein Morgen gibt. Es gäbe also definitiv keinen Grund mehr, weiter darüber nachzudenken, warum sich die Welt überhaupt dreht und das wäre völlig sinnfrei. Grüße von Trixi

  5. #5

    Standard

    Hallo Trixi Slot,

    ich denke, man muss unterscheiden zwischen Glauben (im Sinne von: in etwas Vertrauen haben - also z.B. dass es ein Morgen geben wird) und Glaube (im Sinne von: eine Aussage oder eine Anzahl von Aussagen unbedingt für wahr zu halten, egal welche Fakten dagegen sprechen - hierzu würde ich religiöse Dogmen zählen). Ein Wissenschaftler kann zwar religiös sein und einem Glauben anhängen (zweite Bedeutung als Glaube!) und durchaus glauben, dass nach seinem Tod die Seele in den Himmel kommt und Gottes Angesicht schaut, aber dieser Glaube hat für seine wissenschaftliche Arbeit keinerlei Relevanz.

    Beispielsweise könnte ein Astronom sehr viel über die Beschaffenheit des Weltalls herausfinden, indem er der wissenschaftlichen Methode treu bleibt, aber dieses erworbene Wissen ist nicht etwas, was er glauben muss, sondern etwas was er weiß. Folglich tangiert die Wissenschaft nicht seinen Glauben an himmlische Mächte (die er sich ja in irgend eine Parallelwelt phantasieren kann, die wissenschaftlichen Methoden nicht zugänglich ist) und sein Glaube tangiert umgekehrt nicht die Wissenschaft, weil - und das hat Florian sehr gut beschrieben - Glaube und Wissenschaft nicht zwei verschiedene Seiten einer Medaille sind, sondern zwei verschiedene Medaillen, die zwar nebeneinanderher existieren können (aber nicht müssen!) aber nicht miteinander vermischt werden dürfen, wenn es um die Formulierung von Wissen geht.

    Wissen im wissenschaftlichen Kontext ist eben etwas anderes als Wissen im religiösen Kontext. Wie das ein religiöser Wissenschaftler in seinem Kopf sauber voneinander trennen kann, ist freilich eher ein psychologisches Problem, an dem manche scheitern, wie aus den zitierten Texten zu ersehen ist, die Alexis hier gepostet hat. Einfacher ist es natürlich, sich von erworbenen religiösen Traditionen zu trennen, um nicht in einem dauerhaften Hirnkrampf festzustecken, aber mancher hat eben die Tradition seiner Vorfahren lieb und manchem ist das Gemeinschaftsleben der heimatlichen Kirchgemeinde teuer, so dass es durchaus schwer fallen kann, sich von seinem Glauben loszusagen.

    Viele Grüße!

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